Leserbrief

Wer hat Angst vorm ...?

Noah Oehri,Münstergasse 55, Bern | 5. Dezember 2018

Der UN-Migrationspakt erregt zurzeit die Gemüter vieler Leserbriefschreibenden, die sich um dessen Auswirkungen auf Liechtenstein sorgen. Eine genaue und differenzierte Auseinandersetzung mit dem Inhalt des Paktes ist meiner Meinung nach zu begrüssen. Was ich in den letzten Tagen in den Zeitungen lese, ist jedoch oft von einer faktenbasierten Debatte weit entfernt. Der «finanzielle Ruin» steht uns bevor, von «Raubzügen auf die Wohlfahrtssysteme» ist die Rede, welche die «linken Eliten» durch ihre «Idealisierung alles Fremden» auch noch fördern. Will denn die Regierung durch ihre (beschränkte) Teilnahme tatsächlich das Land abschaffen?
Auch zu Beginn der Adventszeit werden fleissig Fremdenängste gegenüber Andersgläubigen und Menschen aus dem globalen Süden geschürt. Diese werden, so scheint es, nach einer Teilnahme einer FL-Delegation in Marrakesch, als gleich dem Asteroiden Aurelia folgend, die Reise nach Vaduz antreten. Was bei diesem Weihnachtsmärchen im Dunst des braunen Weihrauches untergeht, ist die Tatsache, dass Migration ein wichtiger Garant unseres Wohlstands ist. Liechtenstein, einst ein ärmliches Land von Auswanderern, ist heute auf ausländische Fach- und Pflegekräfte angewiesen. Gleichzeitig sind mehr als 3500 Liechtensteinerinnen und Liechtensteiner – so wie ich – froh, im Ausland arbeiten, studieren und leben zu können.
Migration ist eine globale Realität, von der sich das Fürstentum nicht abschotten kann. Anstatt fremdenfeindliche Ressentiments weiter zu befeuern, hoffe ich, dass sich die Landtagsabgeordneten der Debatte um den Migrationspakt mit einer offenen und angstfreien Einstellung annehmen werden.

Noah Oehri,
Münstergasse 55, Bern

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