Leserbrief

300-Jahr-Feier

Hermy Geissmann,Matschilsstrasse 17, Triesen | 9. Februar 2019

Meine Vision zu diesem denkwürdigen Anlass: Es ist ein allgemeiner Feiertag und die Häuser sind im ganzen Land beflaggt. Aus Dankbarkeit, dass wir in einem so schönen und friedlichen Land leben dürfen, strömen, allen voran die Fürstenfamilie und unsere Politiker, Tausende dem Scheidgraben zu. Jung und Alt, alle die einigermas­sen gut zu Fuss sind, machen sich aus allen Gemeinden auf den Weg. Beim Zusammentreffen schüttelt man sich die Hände, Emotionen brechen auf, man umarmt sich, fühlt sich als Gemeinschaft. Musikkapellen spielen, Fahnen werden gehisst, Trachtenvereine sind mit dabei und aus voller Kehle schmettern wir die Noch-Landeshymne in die kalte Nacht hinaus. Für alle ein unvergessliches Erlebnis.
Dass die Fürstenfamilie, die ganze Prominenz und einige ausgeloste Bürger mit Gästen aus dem Ausland im SAL weiter feiern, tut der guten Feststimmung keinen Abbruch.
Aber die Realität sah ganz anders aus.
Da ich Eschnerin bin, fuhr ich mit dem Postauto von Triesen in meine Heimatgemeinde. Mir wurde bekannt gegeben, dass um 15.15 Uhr der Abmarsch ab Werkhof stattfindet. So gegen 15 Uhr trafen neben meiner Tochter und Enkelin vier Erwachsene, teils mit Kindern, ein. Wenig später traf ein Trüpplein, hauptsächlich Schulkinder mit Betreuern, von Schellenberg startend ein. Ich war total enttäuscht, dass ausser den aufgebotenen Schülern und den Betreuern so wenig Erwachsene dabei waren. Ein Lichtblick: Wir wurden herzlich von der Innenministerin begrüsst. Für Verpflegung war im Mehrzweckgebäude gesorgt. Da ich nicht mehr so gut zu Fuss bin, startete ich vor den andern. Am Scheidgraben traf ich zwei flüchtig bekannte Frauen, ursprünglich aus Slowenien. Im dort aufgestellten Zelt standen leere Kochtöpfe und zwei Kaffemaschinen, die wir selber bedienten. Etwas später trafen die Unterländer und die Oberländer, ebenfalls aufgebotene Schüler und einige Erwachsene, am Ziel ein. Da keine Prominenz kam, konnten wir vom warmen Zelt aus die Lichtershow geniessen. War das nun alles? Bevor wir mit dem Bus Schaan zufuhren, suchten wir noch das WC. Ziemlich weit weg und ohne Beschilderung. Am Ziel, dem Lindenplatz, war ausser einem Stand, an dem Glühwein etc. verkauft wurde, nichts. Was ist schuld, dass so wenige am Marsch teilnahmen? War es, weil die Werktätigen nicht konnten, oder weil sich ja nur 900 von 38 000 Einwohnern anmelden konnten? Für mich eine totale Enttäuschung.

Hermy Geissmann,
Matschilsstrasse 17, Triesen

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