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Leserbrief

Sexuelle Gewalt passiert jeden Tag und es kann jede Frau treffen

Streiktag–Arbeitsgruppe Kommunikation | 20. Mai 2019

Diskriminierungen und Gewalt gegen Frauen sind ein gesellschaftliches und nicht ein individuelles Problem. Dass Frauen oft Opfer und Männer Täter sind, hat mit den Ausläufern des Patriachats zu tun. Noch nicht lange ist es her, dass Frauen und Kinder als Eigentum des Mannes galten, noch weniger lange ist es her, dass Vergewaltigung in der Ehe kein Straftatbestand war und sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz ein Kavaliersdelikt. Wie die «Süddeutsche Zeitung» 2016 schrieb, ist der Vergewaltiger meistens der Partner, ein Freund oder ein Bekannter und die wenigsten Vergewaltigungen werden angezeigt.
Das Ausmass der Gewalt ist gross. Jede dritte Frau in Europa hat als Erwachsene körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren. Das ist das Ergebnis einer EU-Studie aus dem Jahr 2014, bei der 42 000 Frauen befragt wurden. Deutschland liegt im Mittelfeld: 35 Prozent haben hier seit ihrem 15. Lebensjahr mindestens einmal sexuelle oder körperliche Gewalt erlebt, sind also geschlagen, getreten, geohrfeigt, «begrapscht», genötigt oder zum Sex gezwungen worden. Eine von zwanzig Frauen wird vergewaltigt, eine von zehn erlebt andere Formen sexueller Gewalt. Das wird in Liechtenstein kaum anders sein. Sexuelle Gewalt trifft unterschiedliche Frauen – unabhängig von Alter oder Bildung. Sexuelle Gewalt passiert jeden Tag und es kann jede Frau treffen. Die Gefahr sinkt zwar mit dem Alter, aber nicht besonders stark, vor allem, wenn der Täter der eigene Partner ist. Vergewaltiger gibt es in allen sozialen Schichten und allen Bevölkerungsgruppen. Ähnlich wie bei den Opfern lässt sich auch bei den Tätern kein entscheidendes Merkmal festmachen. Gewalttäter orientieren sich oft an traditionellen Bildern von Männlichkeit. Die Täter, so halten die Forscher der EU-Untersuchung fest, sind in 98 Prozent der Fälle Männer. Trotzdem ist es nicht richtig, alle Männer unter Generalverdacht zu stellen. Denn die Mehrheit wird ja nicht zum Täter.
Am häufigsten kommen Übergriffe vor, die nicht strafrechtlich relevant sind. Jede zweite Frau wurde schon mindestens einmal sexuell belästigt. Das heisst: Ihr wiederholtes Nein zu einem Treffen wurde nicht akzeptiert, sie wurde mit anzüglichen Witzen bedacht, angestarrt, bekam ohne Aufforderung Nacktbilder geschickt oder wurde gegen ihren Willen angefasst. Die EU-Untersuchung ergab: In einer Gesellschaft mit vielen Fällen sexueller Belästigung gibt es auch viele Vergewaltigungen, in Schweden etwa sind beide Werte hoch. Die Übergänge im öffentlichen Raum und vor allem innerhalb von Paarbeziehungen sind fliessend.
Frauen haben mit dem Frauenhaus eine Institution geschaffen, in der Frauen und Mütter mit Kindern Schutz vor gewalttätigen Ehemännern und Partnern finden.
Die «Me Too»-Bewegung hat dafür gesorgt, dass sexuelle Übergriffe und Belästigungen am Arbeitsplatz ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt wurden. Sexismus, Gewalt gegen Frauen und Vergewaltigung müssen von Staat und Gesellschaft geächtet, angeprangert und verurteilt werden und auch strafrechtliche Konsequenzen haben. Ein wichtiger Schritt dazu ist die Ratifizierung und Umsetzung der Istanbul-Konvention. Wir fordern die Regierung auf, die Istanbul Konvention noch in diesem Jahr zu ratifizieren.
Alle Frauen, die mit uns den 14. Juni planen wollen, sind herzlich eingeladen, am 4. Juni von 18 bis 20 Uhr nach Triesen in die alte Spörry-Fabrik, Dorfstrasse 24, zu kommen.

Streiktag–Arbeitsgruppe Kommunikation

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