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Leserbrief

Kranke Kasse?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern | 20. Mai 2019

Es gibt so Leute. Leute, die sich um das Eigenwohl nur wenig, oder nur dann Gedanken machen, wenn es irgendwo weht tut. Leute, die zum Frühstück zwei, drei Gipfeli im Kaffee tunken, zum Znüni ein Fleichkäsbrötli mampfen, am Mittag Hörnli mit Gehakten in sich hineinwürgen, zum Zvieri noch einmal ein Fleischkäs- oder Salamibrötli und sich zum Znacht noch eine Pizza gönnen. Dann den Abend vor dem TV mit Pommes Chips und der Biergottara im wohligen Daseinsglück vertöttelen. Und es gibt Leute, die saugen sich täglich bis zu drei Packungen Zigaretten durch die Lungentore, saufen wie die Kühe, Kiffen bis zum Umfallen, oder treiben Ex­tremsport, bis die Knochen bersten. Im Laufe der Zeit kommt, was kommen muss und der Gang zum Arzt, zum Masseur, zum Therapeuten wird zum wöchentlichen Selbstverständnis. Es gibt aber auch Leute, die essen bis zum Mittag nur Früchte, trinken viel Wasser, am Mittag lieber Gemüse mit Fisch, am Abend ein Süppchen für den wohligen Schlaf. Statt TV gehen sie wandern und wenn ihnen der Rücken schmerzt, stärken sie ihn am Vita Parcours. Beim Arzt sieht man sie nie. Und es gibt Leute, die nehmen das Leben, wie es gerade kommt, strengen sich nicht an, leisten nur was gerade verlangt wird, lassen sich gerne versklaven und sich von den Umständen durch die Jahre schubsen. Und es gibt Leute, die sind sehr fleissig, rasten nicht, übernehmen Verantwortung, erledigen noch einen Zweitberuf, oder machen sich selbstständig. Doch auch bei denen kommt, was kommen muss, nämlich, dass sie ein bisschen mehr verdienen. Leider haben sie nicht viel von ihren Anstrengungen, denn die Steuervögte plündern ihre Taschen schneller wie sie sie füllen konnten, während der Fleischkästyp oft gar keine Steuern zahlt und wenn es gut für ihn läuft, er mit dem Sozialamt eine verständnisvolle Liaison eingehen konnte. Da der Staatsbeitrag an die Krankenkasse, welche für den einen dauernd, für den anderen nie bezahlen muss, aus Steuer­mitteln besteht, welche primär der gesundheitsbewusste ­Gemüsemensch erarbeitet, wird schnell klar, was hier falsch läuft. Wenn nun auch noch gefordert wird, dass der ­Fleissige, der mehr verdient, dem Faulen die Krankenkasse direkt auch noch mitfinanzieren muss, sollte langsam die Götterdämmerung eintreten. Und wenn jener, welcher der Krankenkasse nicht zur Last fällt, schon nicht belohnt wird, sollte er nicht auch noch zusätzlich ausgeplündert werden.
Übrigens; wussten Sie, dass ein Krankenkassenchef bis zu 750 000 Franken im Jahr verdient?

Jo Schädler, Eschnerstrasse 64, Bendern

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