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Leserbrief

Mäuserich sucht Maus, um mit ihr die Speckschwarte zu teilen?

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 6. Juni 2019

Driftet das unausgewogene Verhältnis zwischen schlank und rank weiter in Richtung vollschlank – jedes sechste Kind in der Schweiz ist adipös –, wird eine logische Ernährungsidee leider zum Rohrkrepierer. Nämlich, warum kann man die Wildtiere, wie Hirsch und Reh, Gams und Steinbock nicht endlich einfangen und sie in Mastbetrieben halten? Bei Huhn, Schwein, Rind und Sau sehen wir das als selbstverständlich an und erfreuen uns jeden Tag an dem Schnitzel vom Gitterrostmastschwein, dem Ei vom eitrigen Käfighuhn, der Fois gras von der Stopfente und dem echten Wienerschnitzel mit Preiselbeeren vom Anabolikamastkalb? Was um alles in der Welt spricht dagegen, das gesamte Schalenwild, hornlos in grossen Gehegen, oder Ställen, mit einem effizienten Schlachthof daneben für unsere Teller zu mästen? Der Jägerstolz, das Geweih vom Hirsch zu präsentieren, kann es nicht sein, denn diese lassen sich heute samt Kartusche mit dem 3-D-Drucker in waidgerechten Stückzahlen absolut naturgetreu herstellen. Um den Pulverdampf zu riechen, muss der Jägersmann ja nicht bis auf Alpila in den dunklen Tann hinauf fahren, denn diesen gibt es auch in der Spraydose. Im Zwölferkarton sogar zum Vorzugspreis. Und wenn er mit der grünen Uniform am Sonntag in der Kirche erscheint, dann macht er dort doch auch etwas her. Dem Herrgott am Kreuze wird das egal, mitunter sogar recht sein. Selbst das Gewehr, wenn ungeladen, darf er dort hinein nehmen. Dem in «Besitznahmebruch» sowie dem «letzten Bissen» kann er ja auch anderswo frönen und huldigen. Natürlich nicht unbedingt daheim am eigenen Weib. Und endlich wären mit dieser Massnahme die leidigen Themen und das Herumgeheule aus Forst und Waid, ein für alle Mal zu Ende. Kein Wildverbiss mehr und Schutzwald samt Förster könnten erleichtert aufatmen. Kein mühsames Kastaniensammeln für den Winter und keine durch Wanderer und Radfahrer erschreckten Hirsche mehr, die auf der Flucht in die Töbel hinunterstürzen. Friede würde durch Land und Bergeshöhen wehen. Da aber immer mehr, vor allem auch junge Leute zu mastfreundlichen Wesen mutieren und immer mehr Pummelige die Speckschwarte lieben gelernt haben, was letztendlich der Volksgesundheit abträglich ist, dürfte sich die Gamsbockmast schon von Gesetzes wegen nicht durchsetzen können. Sind doch die uns Regierenden angehalten, die Volksgesundheit zu fördern und auf gar keinen Fall schleifen zu lassen. Welch Glück für Hirsch, welch Pech für Schwein.

Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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