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Leserbrief

Gretas Sorgenkinder

Jo Schädler,Eschnerstrasse 64, Bendern | 11. September 2019

Nun, nach den Sommerferien wäre es doch sehr spannend zu erfahren, ob die Mitglieder des Verkehrsclubs Liechtenstein – VCL – alle schön brav entweder zu Fuss oder mit dem Fahrrad, dem Postauto, oder der elektrischen Eisenbahn in die Ferien gefahren sind, oder ob der eine oder der andere nicht stinkfrech das eigene Auto, welches er eigentlich ja gar nicht haben dürfte, benutzt hat. Oder ob die ganz hagebuchenen und die ganz hartgesottenen Gesellen unter ihnen sogar so eine Kerosinschleuder, die sich Flugzeug nennt, gewählt haben, um sich vom Stress und Stau im eigenen Lande zu erholen. Und wenn sie geflogen sind, wie sind sie überhaupt bis nach Zürich gekommen? Etwa auf teuflischen Autobahnen oder Strassen mit Bus-Bevorzugung? Oder sind sie denn wenigstens bis nach Kloten oder Friedrichshafen zu Fuss oder auf einem Esel reitend gelangt? Bislang ist nur von einem einzigen VCL-Mitglied, das in Kloten herumgeschlichen sein soll, berichtet worden. Und jenes hätte sich bis fast zur Unkenntlichkeit unter einem grossen mexikanischen Sombrero quasi versteckt und seiner treuherzigen Gattin hätte der Lümmel noch ein Kopftuch mit Sehschlitz über ihr Haupt gestülpt. Nicht versteckt hat sich die Gretajugend, denn diese hat in diesem Jahr wieder alle Rekorde gebrochen und Kloten und all die vielen Flughäfen rund um den Erdball bis zum Bersten gefüllt. Ab Herbst gilt es dann wieder, am Freitag die Schule zu schwänzen und die alten Klimasaumägen anzugeifern, sie würden ihnen die Zukunft versauen. Sogar die Pfadfinder verliessen ihren rechten Pfad und flogen in diesem Jahr in Scharen nach Amerika, um von weit über dem grossen Teich aus die Dinge dieser Welt neu zu beleuchten und ganz neu zu betrachten. Bei den VCL-Leuten stellt sich zudem die Frage, ob sie sich ein der Heimat ähnliches Ferienland ausgesucht haben und dort ihre dringend notwendige Erholung fanden? Ein Land, in dem es mehr stählerne Pfosten an den Strassenrändern als Einwohner gibt und die einzig den Zweck haben, die Autospengler und die Chi-rurgen nicht arbeitslos zu machen. Fährt nämlich einer mit dem Töff dort hinein, dann ist meistens weg das Bein. Oder ein Land, in welchem bei jedem Kreisel meterhohe Verkehrsschilder auf Augenhöhe die Sicht auf den Verkehrsfluss verdecken? Oder ein Land, in welchem der gesamte Autoverkehr dümmlich hinter den Postautos hinterherzuschleichen hat? Also, wenn sie dieses Land auf dem Globus gefunden haben, dann sind sie ja vorbildlich zu Hause geblieben.


Jo Schädler,
Eschnerstrasse 64, Bendern

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