Bei den Radfahrern ist die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten im Gegensatz zu den Autoinsassen nicht zurückgegangen. (Archivbild)
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Schweiz|08.11.2018

Ablenkung ist meist für schwere Unfälle verantwortlich

BERN - Die meisten schweren Verkehrsunfälle sind gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) auf abgelenkte Verkehrsteilnehmende zurückzuführen. Sorgen bereiten die schweren Personenschäden bei Radfahrenden.

Bei den Radfahrern ist die Zahl der Unfälle mit Schwerverletzten im Gegensatz zu den Autoinsassen nicht zurückgegangen. (Archivbild)

BERN - Die meisten schweren Verkehrsunfälle sind gemäss der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) auf abgelenkte Verkehrsteilnehmende zurückzuführen. Sorgen bereiten die schweren Personenschäden bei Radfahrenden.

1111 Menschen sind im Jahr 2017 auf Schweizer Strassen wegen abgelenkter Verkehrsteilnehmenden schwer oder tödlich verletzt worden, wie die BFU gestützt auf ihren Sinus-Report 2018, der das Sicherheitsniveau und das Unfallgeschehen im Strassenverkehr analysiert, mitteilte.

Unaufmerksame oder abgelenkte Verkehrsteilnehmende seien oft für Unfälle mit Schwerverletzten oder Getöteten verantwortlich. Im Durchschnitt gebe es deswegen jeden Tag drei Schwerverletzte.

Junge lassen sich mehr ablenken

Ablenkung sei kein geschlechtsspezifisches Phänomen: Sie komme sowohl bei Männern wie auch bei Frauen anteilsmässig gleich häufig vor. Hingegen spiele die Ablenkung bei den 18- bis 24-Jährigen eine deutlich grössere Rolle als bei älteren Unfallverursachern.

Fast gleich viele schwere Unfälle ereignen sich gemäss BFU wegen Vortrittsmissachtung, die innerorts sogar die häufigste Unfallursache ist. Bei drei von vier schweren Unfällen wegen Vortrittsmissachtung seien Autolenker die Verursacher. Leidtragende von Vortrittsmissachtungen seien nebst den Motorrad- und Velofahrern in erster Linie die Fussgänger. Rund 40 Prozent der deswegen tödlich verletzten Menschen seien zu Fuss unterwegs gewesen.

Überhöhte Geschwindigkeit verursache täglich zwei schwere Personenschäden, Alkoholkonsum einen pro Tag. Diese beiden Unfallursachen seien demnach etwas weniger häufig, allerdings hätten Alkohol- und Geschwindigkeitsunfälle deutlich schwerwiegendere Folgen und endeten häufiger tödlich.

Die BFU sieht eine erfreuliche Entwicklung in der Unfallentwicklung in den letzten Jahren und Jahrzehnten. Zwar sind im vergangenen Jahr 230 Menschen im Strassenverkehr gestorben, 14 mehr als im Vorjahr. Trotz dieser kurzfristigen Zunahme habe sich die Anzahl Getöteter in den vergangenen zehn Jahren jedes Jahr um durchschnittlich 17 reduziert.

Kein Rückgang bei Velounfällen

Während die Anzahl schwerer Personenschäden von Autoinsassen in den letzten zehn Jahren um die Hälfte zurück gegangen sei, sei bei den Radfahrern keine Reduktion festzustellen, schreibt die BFU weiter.

Laut Verkehrsprognose 2040 des Bundes wird der Fahrradverkehr doppelt so stark wachsen wie der motorisierte Individualverkehr. Die steigende Dichte und Heterogenität des Verkehrs machten es insbesondere in Dörfern und Städten zunehmend schwierig, unfallbedingte Verletzungen und Todesfälle zu verhindern.

Für das Unfallgeschehen bei den Radfahrern seien verschiedene Gefahrenquellen massgebend. So verletzten sich Radfahrer bei Unfällen schwer, weil sie beispielsweise über mangelndes Gefahrenbewusstsein und zu wenig verkehrsrelevantes Wissen verfügten, nachts und insbesondere tagsüber oft schlecht erkennbar unterwegs seien und sich nicht an die Verkehrsregeln hielten.

Eine Reihe von Risikofaktoren

Risikofaktoren bei den Kollisionsgegnern seien beispielsweise neben Vortrittsmissachtungen und Fahrgeschwindigkeit hohe und steile Fahrzeugfronten, eine hohe Festigkeit von Frontaufbauten sowie die Infrastruktur, die stark auf den motorisierten Verkehr ausgerichtet sei.

Durch defensives Fahrerhalten könnten Radfahrer viel zu ihrer eigenen Sicherheit beitragen. Zusätzlich sollte die Planung gut ausgebauter Infrastruktur für Radfahrer vorangetrieben werden. Das innerörtliche Strassennetz sollte konsequent nach dem Geschwindigkeitsregime 50/30 betrieben werden.

Auch das vorausschauende, partnerschaftliche Fahrverhalten seitens der Motofahrzeuglenkenden gegenüber den Radfahrern sei zu fördern. Weiter sollten die Kollisionseigenschaften von Motorfahrzeugen verbessert werden.

Auch könnten Motorfahrzeuge mit Fahrassistenzsystemen ausgerüstet werden, die beispielsweise der Detektion von Radfahrern dienten. Schliesslich sollte auch die Velohelmtragquote gefördert werden.

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Bei den Radfahrern ist die Zahl der Unfälle mit Schwer­verletzten im Gegensatz zu den Autoinsas­sen nicht zurück­gegangen. (Archivbild)

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