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Angela Merkel wurde am Donnerstag zum Auftakt ihres Griechenland-Besuch von Ministerpräsident Alexis Tsipras empfangen.
Politik
International|10.01.2019

Nicht beliebt, aber geachtet: Merkel zu Besuch in Griechenland

ATHEN - Die Zeiten, als Angela Merkel in Griechenland auf Plakaten als Nazi in Uniform verunglimpft wurde, sind vorbei. Nun empfängt ein strahlender Regierungschef Alexis Tsipras die Kanzlerin in Athen. Aber nicht alle sind so froh wie der frühere Merkel-Gegner.

Angela Merkel wurde am Donnerstag zum Auftakt ihres Griechenland-Besuch von Ministerpräsident Alexis Tsipras empfangen.

ATHEN - Die Zeiten, als Angela Merkel in Griechenland auf Plakaten als Nazi in Uniform verunglimpft wurde, sind vorbei. Nun empfängt ein strahlender Regierungschef Alexis Tsipras die Kanzlerin in Athen. Aber nicht alle sind so froh wie der frühere Merkel-Gegner.

Deutschland und Griechenland peilen nach den schweren Verwerfungen während der Schuldenkrise wieder vertrauensvolle Beziehungen an. Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde am Donnerstag zum Auftakt ihres zweitägigen Griechenland-Besuchs von ihrem früheren Widersacher, Ministerpräsident Alexis Tsipras, herzlich empfangen.

"Heute kommen Sie in ein völlig anderes Griechenland. Das Wachstum erzielt", sagte Tsipras bei der Begrüssung der Kanzlerin. Griechenland sei "Teil der Lösungen und nicht das Problem", fügte er hinzu. Die früheren Spannungen zwischen Athen und Berlin seien überwunden.

Merkel würdigte die Anstrengungen des griechischen Volkes der letzten Jahre. Griechenland könne nun eine "wichtige Rolle im Südosten Europas spielen". Die Begrüssung Merkels von Tsipras wurde vom griechischen Fernsehen (ERT) übertragen.

Demonstration gestoppt

Doch obwohl die Zeiten vorbei sind, in denen Merkel von wütenden Demonstranten wie bei einem Besuch 2012 auf Plakaten mit Naziuniform und Hitlerschnauz verunglimpft wurde, ging die Regierung kein Risiko ein. Der zentrale Syntagma-Platz wurde wegen Merkels Besuch für Demonstrationen gesperrt, Kundgebungen durften nur weit entfernt stattfinden.

In Athen setzte die Polizei am Donnerstagabend am Rande des Besuchs Merkel vorübergehend Tränengas gegen eine Gruppe von rund 700 linksgerichteten Demonstranten ein. Diese sollten daran gehindert werden, das Regierungsviertel der griechischen Hauptstadt zu erreichen und dort gegen die Visite zu protestieren.

Merkel sei für die harten Sparprogramme verantwortlich, unter denen das griechische Volk leide, skandierten die Demonstranten nach Medienberichten. Die Lage beruhigte sich aber rasch, wie es weiter hiess.

Beliebt ist die Kanzlerin auch heute längst nicht bei allen Griechen. Einer Umfrage der Zeitung "Kathimerini" vom vergangenen Oktober zufolge bewerteten nur 29 Prozent der Befragten das Ansehen der deutschen Regierungschefin unter allen wichtigen internationalen Spitzenpolitikern als positiv.

Merkel ist das durchaus bewusst. Kurz vor dem Besuch wandte sie sich in versöhnlichen Worten an die Griechen. "Mir ist bewusst, dass die letzten Jahre für viele Menschen in Griechenland sehr schwierig waren", sagte sie.

Schmerzhafte Sparprogramme

Mit Merkel verbinden viele Griechen die rigiden Reformen und schmerzhaften Sparprogramme, die das Land in den vergangenen Jahren auch auf Druck Berlins umsetzen musste. Erst im vergangenen August konnte das immer noch extrem hoch verschuldete Land den Euro-Rettungsschirm nach acht Jahren internationaler Hilfsprogramme wieder verlassen und steht finanziell auf eigenen Beinen.

Ob der Schulterschluss mit Merkel die Wahlchancen von Tsipras bei den in diesem Jahr anstehenden Parlamentswahlen verbessert, ist denn auch umstritten. Kritiker werfen ihm vor, das Land ruiniert zu haben, indem er so gut wie alle der von den Gläubigern geforderten Sparmassnahmen und Reformen umsetzte.

Die linke und eurokritische Partei Laiki Enotita erklärte die Kanzlerin zur "unerwünschten Person". Merkel stehe für die "wilde Sparpolitik" und die "monumentale Zerstörung" Griechenlands, hiess es in einem Demonstrationsaufruf.

Auch die rechtsextreme Partei Chrysi Avgi (Goldene Morgenröte) warnte die Kanzlerin. Sie solle sich bitteschön aus dem Namensstreit zwischen Griechenland und dem Nachbarland Mazedonien heraushalten.

Wegen dieses Streits blockiert Griechenland seit Jahrzehnten die Annäherung des Nachbarn an EU und Nato. Merkel hatte vor ihrem Besuch gesagt, es bestehe die historische Chance für eine Einigung - einen entsprechenden Beschluss hatten Athen und Skopje bereits 2018 gefasst, er muss nun aber noch beide Parlamente passieren. Den westlichen Staaten ist an einer Anbindung Mazedoniens gelegen, um Russlands Einfluss in Skopje zu begrenzen.

Forderung nach Reparationen

Zum Abschluss von Merkels Besuch war am Freitag unter anderem ein Treffen mit dem griechischen Staatspräsidenten Prokopis Pavlopoulos vorgesehen. Dabei dürfte der Staatschef erneut die Forderung nach Reparationen für Schäden während des Zweiten Weltkriegs zur Sprache bringen. Eine Expertenkommission hatte den Umfang der Kriegsschäden auf mindestens 289 Milliarden Euro beziffert.

Für Deutschland ist das Thema mit dem 1990 als Grundlage für die Wiedervereinigung unterzeichneten Zwei-plus-Vier-Vertrag abgeschlossen. Darin heisst es, es seien "keine weiteren Reparationen" vorgesehen.

(sda / dpa)

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