(Fotos: Michael Zanghellini)
Sommergespräche
Liechtenstein|14.07.2018

«Es gibt nicht eine Person, die sich von mir distan­ziert hat»

Vor etwas mehr als vier Monaten erklärte Johannes Kaiser seinen Austritt aus der FBP. Nun spricht der Landtagsabgeordnete erstmals darüber, wie es ihm seither ergangen ist in diesem Land, in dem Partei, Beruf und Privatleben oft so eng miteinander verknüpft sind.

(Fotos: Michael Zanghellini)

Vor etwas mehr als vier Monaten erklärte Johannes Kaiser seinen Austritt aus der FBP. Nun spricht der Landtagsabgeordnete erstmals darüber, wie es ihm seither ergangen ist in diesem Land, in dem Partei, Beruf und Privatleben oft so eng miteinander verknüpft sind.

Johannes Kaiser ist Mitinhaber des Medienbueros Oehri & Kaiser, Verleger der «Lie:Zeit», Werbetexter und Politiker. Mehr als sein halbes Leben war er Mitglied der Fortschrittlichen Bürgerpartei (FBP).

Er war Präsident der Jugendsektion, Vizepräsident der Partei, 12 Jahre Gemeindevorsteher in Mauren und sitzt seit 2001 im Landtag. Dort war er von 2009 bis 2013 Fraktionssprecher der FBP. Wie bei all seinen Kandidaturen holte er auch bei den Wahlen 2017 die meisten Stimmen in seinem Wahlkreis "Unterland".

Nach einem teils offen ausgetragenen Konflikt mit dem Regierungschef Adrian Hasler folgte dann jedoch der Knall: Am 9. März 2018 gab Johannes Kaiser seinen Austritt aus der Bürgerpartei bekannt. Seine Werte und Ideale würden von jenen gewisser Spitzenpolitiker der FBP weit abweichen, schrieb er damals in einer Medienmitteilung.

Rund vier Monate später erklärte sich Johannes Kaiser nun erstmals bereit, ein Interview zu geben.


«Volksblatt»: Herr Kaiser, wie haben Sie den Tag Ihres Austrittes aus der FBP in Erinnerung?

Johannes Kaiser: Es war definitiv ein einschneidender Punkt in meiner politischen Laufbahn. Gerade in Liechtenstein ist ein Parteiaustritt sicherlich ein ungewöhnlicher – und ich denke, auch ein mutiger – Schritt.

Wie waren denn die Rückmeldungen aus Ihrem Umfeld?

Zu meiner Überraschung durchweg positiv.

Sie haben also keine Freunde verloren?

Gar nicht. Sowohl im privaten Umfeld als auch im weiteren Bekanntenkreis gibt es nicht eine Person, die sich von mir distanziert hat. Im Gegenteil: Seit dem 9. März melden sich fast täglich Bürger bei mir, mit denen ich vorher keinen Kontakt hatte. Das kam vor dem Parteiaustritt zwar auch vor, aber mittlerweile kontaktieren mich bestimmt drei oder vier Mal so viele.

Als das «Vaterland» im Januar der Frage nachging, ob Sie wohl aus der FBP austreten werden, sagte DU-Chef Harry Quaderer: «In seinem Job ist er doch auch auf seine Parteinähe angewiesen.» Inwiefern hat sich das bewahrheitet?

Ich weiss nicht genau, was er damit sagen wollte.

Er meinte vermutlich, dass FBP-nahe Kunden dem Medienbuero keine Aufträge mehr geben.

Das ist nicht eingetreten. Im Gegenteil: Beruflich ist es sogar besser geworden. Die Zeiten haben sich geändert. Wir erhalten unsere Aufträge seit jeher über die Parteigrenzen hinweg. Den Kunden ist ihr Produkt wichtiger als parteipolitische Überlegungen.

Deutliche Spuren dürfte Ihr Austritt hingegen im Landtag hinterlassen haben. Reden Ihre ehemaligen Fraktionskollegen noch mit Ihnen?

Ja. Warum denn nicht? Ich habe nach wie vor mit fast allen ein gutes Verhältnis. Ich glaube auch, die Fraktion war nicht so glücklich damit, wie das alles abgelaufen ist. Für mich ist es o.k. Ich nehme ihnen nichts übel, geniesse jetzt aber auch meine Freiheit.

Sie sind frei, aber eben auch allein. In den 17 Jahren zuvor waren Sie immer Teil einer grossen Fraktion. Wie bewältigen Sie nun die ganze Arbeit?

Mehr Aufwand habe ich eigentlich nicht. Ich bearbeite weiterhin meine Themen und gehe dort in die Tiefe, wo meine Kompetenzen liegen. Klar kann ich nicht alles abdecken. Aber dahingehend sehe ich den Landtag auch als Team.

"Seither wurde von bestimmten Personen in der Partei immer wieder hinter meinem Rücken gegen mich geschossen."

Der Vorteil einer Fraktion ist eher, dass man sich über Themen und Positionen austauschen kann. Das ist sicher wertvoll. Andererseits muss ich jetzt nicht mehr an Fraktionssitzungen oder Treffen des Landesvorstandes teilnehmen. So gesehen habe ich heute sogar mehr Zeit, die ich in meine Landtagsarbeit investieren kann. Dahingehend sind verlässliche Informationen wichtiger als der Austausch mit Fraktionskollegen.

Sie sind Mitinitiant einer Initiative, die die Informationsrechte der Landtagsabgeordneten gegenüber der Verwaltung erweitern soll. Dieser Vorstoss war es am Ende auch, der zum endgültigen Bruch mit dem Regierungschef und in der Folge zu Ihrem Austritt aus der FBP geführt hat …

Der «Bruch» mit dem Regierungschef hat eine längere Vorgeschichte.

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(ds)

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