Michelle Kranz hat für das Jubiläumsjahr noch ein paar Überraschungen bereit – und hofft, dass diese bei den Liechtensteinern nicht nur gut ankommen, sondern auch entsprechend in Sozialen Medien geteilt werden. Dann wird es vielleicht noch was mit dem viralen Hit für 2019. (Foto: Paul Trummer)
Sommergespräch
Liechtenstein|21.07.2018 (Aktualisiert am 30.07.18 13:41)

«Haben wir noch 2018? Ich bin gefühls­mässig schon im Jubiläumsjahr»

VADUZ - Seit gut einem Jahr ist Michelle Kranz als Geschäftsführerin für die Geschicke von Liechtenstein Marketing verantwortlich. Zeit zum Durchatmen wird sie aber frühestens 2020, nach dem 300-Jahr-Jubiläum Liechtensteins, haben.

Michelle Kranz hat für das Jubiläumsjahr noch ein paar Überraschungen bereit – und hofft, dass diese bei den Liechtensteinern nicht nur gut ankommen, sondern auch entsprechend in Sozialen Medien geteilt werden. Dann wird es vielleicht noch was mit dem viralen Hit für 2019. (Foto: Paul Trummer)

VADUZ - Seit gut einem Jahr ist Michelle Kranz als Geschäftsführerin für die Geschicke von Liechtenstein Marketing verantwortlich. Zeit zum Durchatmen wird sie aber frühestens 2020, nach dem 300-Jahr-Jubiläum Liechtensteins, haben.

«Volksblatt»: Sie haben lange Zeit im Ausland verbracht, wo Liechtenstein lange nicht jedem ein Begriff ist. Wie haben Sie damals Ihre Heimat beschrieben, um ein Bild zu vermitteln?

Michelle Kranz: Liechtenstein ist gar nicht so unbekannt, allerdings sind die Bilder über unser Land oft sehr einseitig. Egal ob ich in England, den USA oder der Schweiz gelebt habe, die Leute haben sich für das Thema Fürstentum, unsere faszinierende Bergwelt oder bekannte Unternehmen wie Hilti interessiert. Selbstverständlich war Liechtenstein vielen auch als Finanzplatz ein Begriff. Der Zugang zu den verschiedenen Themen ist jedoch je nach Land unterschiedlich. Nehmen wir das Beispiel Fürstentum: US-Amerikaner sehen das eher romantisch, die Schweizer hingegen haben einen weniger direkten Zugang zum Thema Fürstentum als unsere Öster­reichischen Nachbarn, die über die k.-u.-k.-Monarchie damit sehr vertraut sind.

Auch heute sind Sie noch viel im Ausland unterwegs – um ganz offiziell für Liechtenstein zu werben. Dabei stehen immer noch das Fürstenhaus, die Alpen und vielleicht noch die Industrie oder der Finanzplatz im Vordergrund. «Zieht» im Ausland nichts anderes und wie lässt sich das mit dem vereinbaren, was Liechtenstein wirklich ausmacht?

Wieso nicht? Dies sind starke Argumente und Türöffner für weitere Gespräche. Hinter jedem dieser Schlagworte stehen gute Beispiele, die für die Qualitäten unseres Landes stehen. Das Fürstenhaus ist Reisegrund Nummer eins für Gäste aus aller Welt, unsere Alpenwelt ist die «Talentschmiede» für Tina Weirather und weitere Olympiamedaillen-Gewinner, unsere Industrie punktet mit bekannten Marken und «hidden Champions» und unsere Finanzdienstleistungen sind kaum zu übertreffen.

«Die breite Öffentlichkeit weiss nicht immer genau, was wir machen. Aber das liegt in der Natur der Sache.»

Michelle Kranz

Gemäss der Service-Public-Umfrage wäre ein bisschen Eigenwerbung im Land wohl auch angebracht, viele wissen gar nicht, was Liechtenstein Marketing überhaupt macht. Ist das nicht deprimierend?

Die Service-Public-Umfrage zeigt auch, dass die Verbände – und somit unsere wichtigsten Stakeholder – sehr wohl wissen, was wir machen. Darüber hinaus bewerten sie unsere Arbeit als gut. Das freut uns. Und ja, die breite Öffentlichkeit weiss nicht immer genau, was wir machen. Das liegt aber in der Natur der Sache. Die Bevölkerung bezieht bei uns ja auch keine tagtäglichen Dienstleistungen oder Produkte wie beispielsweise Strom. Unsere Aktivitäten sind auf die Aussenwahrnehmung des Landes ausgelegt. Es wäre auch nicht im Sinne des Erfinders, wenn wir unser Budget in teure Eigenmarketing-Kampagnen investieren würden. Ich denke jedoch, dass das 300-Jahre-Jubiläum eine gute Chance sein wird, auch der Bevölkerung die Qualität und den Nutzen unserer Arbeit noch besser aufzuzeigen.

Vor ziemlich genau einem Jahr haben Sie Ihre Stelle als Geschäftsführerin von Liechtenstein Marketing angetreten. Wie war das erste Jahr?

Das erste Jahr war spannend. Und auch intensiv. Ich musste mich schnell in die Themen einarbeiten. Da das Team aber bereits gut eingespielt war, konnte ich auf dem Bestehenden aufbauen und dort Akzente setzen, wo mein Mehrwert ist – Marketing und Kommunikation. Wir haben im vergangenen Jahr beispielsweise die Zusammenarbeit mit den Finanzplatz-Verbänden im Bereich Standortmarketing intensiviert und mehrere gut besuchte Veranstaltungen durchgeführt. Darüber hinaus haben wir unsere eigenen Marketing-Produktionen, wie beispielsweise den neuen Winter-Clip mit unseren Liechtenstein-Botschaftern Tina Weirather und Marco «Büxi» Büchel, auf ein neues Level gebracht. Aus­serdem haben wir die Weichen gestellt, um dem Tourismus in Liechtenstein mit gezielter Produktentwicklung ein klares Profil zu geben und neue Erlebnisse zu schaffen. Und zu guter Letzt haben wir auch den Auftrag für die Umsetzung der 300 Jahr Feierlichkeiten und den Gastland-Auftritt Liechtensteins an der Weltgymnaestrada für nächstes Jahr erhalten.

Der Leuchtturm oder virale Hit für Liechtenstein, den Sie sich an dieser Stelle vor einem Jahr gewünscht hätten, ist bisher aber noch nicht Wirklichkeit geworden. Nehmen wir an, Liechtenstein Marketing hätte Narrenfreiheit und Ressourcen, die es braucht: Was würden Sie dann machen, um auf das Land aufmerksam zu machen?

Ein viraler Hit ist leider nicht planbar, das passiert einfach. Ein grosser Leuchtturm steht aber vor der Tür. Obwohl das Jubiläum in erster Linie im Land selbst gefeiert wird, werden wir alles daransetzen, dass Liechtenstein dank dem runden Geburtstag auch weit über die Landesgrenzen hinaus strahlen wird. Vor einem Jahr habe ich bereits gesagt, dass wir in unserem Auftritt mutiger werden müssen. Wir sind zurzeit dabei, entsprechende Produktionen umzusetzen, die 2019 lanciert werden.

Inwiefern werden Sie denn mutiger?

Wir sind inhaltlich kreativer geworden, die Bildwelten sind besser und im Bewegtbild haben wir grosse Sprünge gemacht. Auf unseren Websiten sind wir zudem dabei, die technischen Voraussetzungen für gutes Storytelling zu schaffen. Auch im Rahmen des Jubiläums produzieren wir Besonderes, da wird es auch die eine oder andere Überraschung geben, über die hoffentlich gesprochen wird. Ein Hit, ob viral oder nicht, lebt auch von innen, deshalb müssen es die Liechtensteiner gut finden, damit es auch geteilt wird und man darüber redet. Vielleicht haben wir mit unseren Ideen Glück und treffen damit den Nerv der Zeit.

Am Staatsfeiertag kamen in den letzten Jahren immer mehr grosse, internationale Acts ins Land – und das auch noch kostenlos. Das lockt natürlich Besucher aus nah und fern an, viele Liechtensteiner sehen ihr klassisches Volksfest mit heimischer Musik, Wurst und Brot jedoch gefährdet. Wie erleben Sie die Reaktionen und wie gehen Sie mit diesem Spannungsbogen um?

Unsere jährlichen Umfragen nach dem Staatsfeiertag zeigen sowohl beim Musikprogramm als auch beim kulinarischen Angebot ein ziemlich einheitliches Bild. Die Besucherinnen und Besucher scheinen mit der Kombination zufrieden zu sein. Neben bekannten Acts wie dieses Jahr Mando Diao sind auch jedes Jahr Liechtensteiner Bands zu sehen. Neben Ochs am Spiess gibt es auch Südamerikanisches Chili con Carne. Liechtenstein ist ein offenes Land. Hier hat es für Lokales und Internationales Platz.

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