Als Mitglied der Direktion des Kunstmuseums Liechtentein ist Kerstin Appel in viele Bereiche eingebunden und sie freut sich jetzt schon auf die Jubiläumsausstellung anlässlich 300 Jahre Liechtenstein. (Foto: Paul Trummer)
Sommergespräch
Liechtenstein|27.07.2018

Kerstin Appel: «Zivil­cou­rage kann über Kunst und Kultur ver­mit­telt werden»

VADUZ - Die Freude an ihrem Job ist ihr anzusehen und sie strahlt bei ihren Ausführungen über Arbeit, Kunst und Kultur. Ein Gespräch mit Kerstin Appel, der kaufmännischen Leiterin des Kunstmuseums Liechtenstein.

Als Mitglied der Direktion des Kunstmuseums Liechtentein ist Kerstin Appel in viele Bereiche eingebunden und sie freut sich jetzt schon auf die Jubiläumsausstellung anlässlich 300 Jahre Liechtenstein. (Foto: Paul Trummer)

VADUZ - Die Freude an ihrem Job ist ihr anzusehen und sie strahlt bei ihren Ausführungen über Arbeit, Kunst und Kultur. Ein Gespräch mit Kerstin Appel, der kaufmännischen Leiterin des Kunstmuseums Liechtenstein.

«Volksblatt»: Frau Appel, Sie machten vor rund eineinhalb Jahren einen Parkettwechsel – von der Aus-sen- und Kulturpolitik in ein Museum. Ein richtiger Schritt?

Kerstin Appel: Absolut. Ich möchte die Arbeit für die Regierung nicht missen, das waren unglaublich prägende 15 Jahre in meinem Leben. Ich konnte viel lernen und – was mir wichtig ist – hatte grosse Freude an meiner Arbeit. Aber nach 15 Jahren beim Staat fühlte ich mich bereit für eine neue Herausforderung. Der Wechsel ins Kunstmuseum hat sich dann schön ergeben und ich habe den Schritt auch nicht bereut – ich arbeite in einem wunderbaren Team und liebe meine Arbeit sehr. 

Sie haben aber damals auch quasi die Seiten gewechselt – von einer Art Aufsichtsrolle zur operativen Geschäftsführung

Ich habe bereits während meiner Zeit als Mitarbeiterin bei der Regierung mit dem Kunstmuseum zusammengearbeitet. Die Zeit im Ministerium kommt mir nun bei meiner jetzigen Arbeit im Kunstmuseum natürlich zugute, da ich die Verwaltungsstrukturen kenne. Mit dieser Erfahrung und meiner Ausbildung denke ich, dass ich das Team des Museums gut ergänze.

Wie kamen Sie eigentlich zur Kultur?

Meine Eltern waren immer grosse Kulturliebhaber und somit hat die Kultur auch mein Leben seit meiner Kindheit stark geprägt. Nach meinem Jus-Studium in Innsbruck stand ich vor der Entscheidung: Ein Master in Rechtswissenschaften oder ein Master in Kunstmanagement? Ich habe mich damals für Zweiteres entschieden: Eine richtige und wegweisende Entscheidung. Ich bin daher nach London gegangen, um dort Kunstmanagement zu studieren. 

Kultur spielte bei Kerstin Appel schon seit der Kindheit eine grosse Rolle. (Foto: Paul Trum­mer)

Sie waren ja auch Gründungsmitglied des BBKL, der heutigen «visarte.liechtenstein». Was verbindet Sie speziell mit der heimischen Kunstszene?

Ja, ich war bei der Gründung des Künstlerverbands dabei. Daher ist es für mich besonders schön, dass die «visarte.liechtenstein» im Herbst mit ihrer «Triennale» bei uns im Kunstmuseum zu Gast sein wird. Darüber hinaus habe ich etwa auch im Vorstand des Sinfonieorchesters Liechtenstein mitgearbeitet. Mir war und ist es wichtig, mich im Land zu engagieren, denn die hiesige Kultur ist mir eine echte Herzensangelegenheit. Wir haben so viele tolle und kreative Menschen in Liechtenstein, die es in jeder Hinsicht zu unterstützen gilt.

Sie besuchen häufig und gerne Kulturverstaltungen im In- und Ausland, nicht nur in der bildenden Kunst …

Ja, das ist wahr. Gerade die Musik ist ein ganz wichtiger Teil meines Lebens. Aber selbst wenn ich beispielsweise an Konzerte gehe, versuche ich in Gesprächen mit anderen Konzertbesuchern immer, Aufmerksamkeit für das Kunstmuseum zu erwecken. Hier vermischt sich das Private mit dem Beruflichen. Es ist dann schön zu sehen, wenn musikinteressierte Menschen auch unser Museum besuchen.

Hilft bei den grossen Kulturevents auch Ihr Goldenes Ehrenzeichen der Republik Österreich, Türen zu öffnen?

Ich habe mich sehr über diese ehrenvolle Auszeichnung gefreut, für mich war sie sozusagen eine schöne Abrundung für meine Tätigkeit als Mitarbeiterin der Regierung. Die Auslandskulturpolitik war mir immer wichtig, weil sie eine Brückenfunktion haben kann. Dass Österreich mein diesbezügliches Engagement anerkennt, ist natürlich grossartig. Innerlich gewidmet habe ich diesen Orden meiner Tochter und meiner Mutter. Sie haben viel dazu beigetragen, dass ich dieser Arbeit überhaupt nachgehen konnte. Und ich empfinde es auch als ein schönes Signal für meine Tochter, als berufstätige Mutter mit einer solchen Auszeichnung geehrt worden zu sein.

Durch die Jubiläumsausstellung anlässlich der 300-Jahr-Feierlichkeiten wird das nächste Jahr ein ganz besonderes. 

Kerstin Appel

Worauf freuen Sie sich in der nächsten Zeit im Kunstmuseum Liechtenstein?

Durch die Jubiläumsausstellung anlässlich der 300-Jahr-Feierlichkeiten wird das nächste Jahr ein ganz besonderes. Wir werden die grossen liechtensteinischen Kunstsammlungen im Dialog miteinander zeigen. Es ist wirklich toll, dass sich das Fürstenhaus mit dieser Ausstellung, die es in dieser Form noch nie so gab, einverstanden erklärt hat. Eine gemeinsame Ausstellung der Fürstlichen Sammlungen zusammen mit der staatlichen Kunstsammlung und privaten Sammlungen – hat das nicht eine wunderschöne Symbolik? Man darf also gespannt sein. 

Was macht eigentlich eine kaufmännische Leiterin im Kunstmuseum?

Da ich auch Direktionsmitglied bin, kann ich in vielen Bereichen mitreden. Das macht die Arbeit so einzigartig und spannend. Neben Finanzen oder Personalangelegenheiten liegt beispielsweise auch die Kommunikation mit der Hilti Art Foundation bei mir. Es ist schon grossartig, dass wir im Jahr 2015 den Erweiterungsbau der Hilti Art Foundation eröffnen und somit den kunstgeschichtlichen Bogen in unserem Angebot erweitern konnten. Diese Public-Private-Partnership funktioniert prächtig und ist in jeder Hinsicht inspirierend. 

Da ergeben sich sicher viele spannende Begegnungen? Gibt es eine Begegnung, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Das ist es, was ich an meiner Tätigkeit so liebe – dass es so unterschiedliche Leute sind, mit denen ich zutun habe. Ich habe immer wieder Begegnungen, die mich beeindrucken. Dabei kommt es mir aber nicht darauf an, welchen gesellschaftlichen Rang eine Person hat, sondern ob jemand seinen Job gerne und mit Engagement macht und auch vernetzt mitdenkt. Menschen mit Visionen, Engagement und Zivilcourage – davor habe ich Hochachtung.

Die Freiheit der Kunst muss gemäss Kerstin Appel vom Staat gewährleistet sein. (Foto: Paul Trum­mer)

Sehen Sie darin auch eine Aufgabe der Kunst?

Zivilcourage kann über Kunst und Kultur vermittelt werden, ja. Eines ist in diesem Zusammenhang jedoch wichtig und der österreichische Bundespräsident hat es bei der Eröffnung der Bregenzer Festspiele in diesem Jahr auch wunderbar gesagt: Die Freiheit der Kunst muss vom Staat gewährleistet sein. Ich denke, dass wir in Liechtenstein – im Gegensatz zu anderen Ländern – diesbezüglich wirklich privilegiert leben können. Und ich freue mich darüber, dass der Staat Liechtenstein so hinter dem Kunstmuseum steht. 

Würden Sie als Liechtensteinerin lieber mehr Arbeiten von hiesigen Künstlern im Kunstmuseum sehen?

Der Auftrag des Kunstmuseums ist klar vorgegeben. Aber ich sage es mal so: Ich freue mich sehr, wenn sich eine authentische Kooperation ergibt. Wie gesagt sind wir ja auch erstmals Gastgeber bei der kommenden «Triennale» von «visarte.liechtenstein» und werden vier liechtensteinische Künstlerinnen und Künstler bei uns zeigen. Auch für unseren Biennale-Auftritt in Venedig im Jahr 2019 planen wir eine Kooperation mit liechtensteinischen Kunstschaffenden. 

Gibt es denn die vielgenannte Schwellenangst noch?

Ich denke schon, besonders bei Leuten, die das Haus nicht kennen und die noch nie hier waren. Der Zugang zur zeitgenössischen Kunst ist manchmal nicht ganz einfach, auch für mich. Gleichzeitig finde ich zeitgenössische Kunst immer spannend, weil man oft unbekanntes Terrain betritt. Oft reicht die Bereitschaft, sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen. Van Gogh war ja auch einmal ein zeitgenössischer Künstler und hat in seinem Leben nur ein Bild verkauft, an seinen Bruder. Und wo ist sein Platz in der Kunstgeschichte heute?

Die noch stärkere Identifizierung und Verankerung innerhalb der Bevölkerung ist ein Ziel meiner Arbeit. 

Kerstin Appel

Was wäre denn da Ihr Wunsch?

Das Kunstmuseum Liechtenstein hat international einen sehr guten Ruf. Die noch stärkere Identifizierung und Verankerung innerhalb der Bevölkerung ist jedoch ein Ziel meiner Arbeit. Wir haben ein unglaublich tolles Kunstvermittlungsprogramm für jede Altersklasse, das Interesse hierfür wächst stetig. Damit setzen wir einen wichtigen Schwerpunkt und erhalten auch immer wieder schönes Feedback. Ich möchte gerne, dass die Menschen wissen, was denn die Aufgaben eines Museums sind und wie wichtig eine Sammlung für ein Museum ist. Und ich möchte, dass das Kunstmuseum sich noch stärker als Ort der Begegnung etabliert. Für den Besuch des Seitenlichtsaals im Erdgeschoss verlangen wir übrigens keinen Eintritt, den kann man gratis besuchen.

Sind Sie selbst auch kreativ oder künstlerisch veranlagt?

Ich wünschte es. Das Klavierspielen habe ich leider aufgegeben und fürs Malen oder andere gestalterischen Tätigkeiten bin ich leider total unbegabt. Aber meine Passion für Kultur und Kunst beeinträchtigt das in keinster Weise.

Als Mutter – wie bringen Sie Ihrer Tochter Kunst bzw. Kultur bei?

Sie wächst natürlich mit Kultur auf, allerdings soll sie selbstständig entscheiden können, was sie will. Ich möchte sie diesbezüglich nicht überfordern. Und natürlich ist sie häufig im Kunstmuseum und spürt, dass sie hier willkommen ist – wie alle anderen Kinder auch. 

(eg)

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