Das Tanztheaterstück basiert auf Material aus Recherchen und Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. (Fotos: Paul Trummer)
Kultur
Liechtenstein|08.11.2018 (Aktualisiert am 08.11.18 07:58)

«Das Fach Liebe sollte man (...) in den Schulen unterrichten»

SCHAAN – Das im TAK aufgeführte Tanztheater- stück «Liebe üben» brachte das umfassende Gefühl aus dem siebten Himmel auf den Boden der Bühne.

Das Tanztheaterstück basiert auf Material aus Recherchen und Gesprächen mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. (Fotos: Paul Trummer)

SCHAAN – Das im TAK aufgeführte Tanztheater- stück «Liebe üben» brachte das umfassende Gefühl aus dem siebten Himmel auf den Boden der Bühne.

Schauspielerin Nora Vonder Mühll und Tänzer Ives Thuwis übten im dokumentarischen Tanztheaterstück die Liebe («Ich habe Ives gefragt, willst du mit mir Liebe üben und er hat Ja gesagt.»). Zwar erzählten Nora und Ives immer auch ein Stück weit von ihren eigenen Erfahrungen, gleichzeitig machten sie aber von Beginn an deutlich, dass sie gerade auf der Bühne in ihren Rollen spielend, tanzend und erzählend «Liebe üben» können.
Für Stefan Colombo, Produktionsleiter des Stücks, «sollte man das Fach Liebe in den Schulen unterrichten, denn wir müssen sie ein Leben lang üben». Dass Theater ein wunderbar ergänzendes Bildungsformat sein kann, zeigte sich am Dienstag im TAK. Liechtensteiner Schüler mit ihren ersten Erlebnissen, Vorstellungen und Erwartungen in Sachen Liebe beobachteten und interagierten mit den beiden Darstellern.

Ein aufmerksames, junges Publikum. (Foto: Paul Trum­mer)

Was heisst denn normal?
Das dokumentarische Tanztheaterstück basiert auf Material aus Recherchen, Interviews und Workshops mit Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. Zudem waren auch zahlreiche Künstler im Entstehungsprozess der Produktion involviert, dabei spielte die Auseinandersetzung mit einem weissen Brautkleid eine wichtige Rolle. Neben zwei roten Klappsesseln dominierte es die sonst nackte Bühne.
Erste Berührungen, Blicke, Annäherungen – ein tänzelndes sich festhalten und wegstossen, ein metaphorisches Sesselrücken, trennen und verbinden. Ein wunderbar getanzter, scheinbar unendlicher Kuss bis hin zur Atemlosigkeit, führte zu Tuscheln und Kichern beim jungen Publikum – ganz zwischen Lust am Zusehen bei gleichzeitiger Peinlichkeit. Aus den recherchierten Texten wurde vorgelesen: «Stell dir vor du bist erwachsen und hast eine Liebesbeziehung. Wie ist die dann? Hmm… ja, normal? Was heisst denn normal? Ja, ich weiss nicht. Eine Frau, Kinder, Auto, Haus. Ja. Sonst nix …» Nora und Ives stellen dieser vermeintlichen Normalität verschiedenste Lebens- und Liebesweisen gegenüber. Von verrückt flatternden Schmetterlingen im Bauch, der Sehnsucht nach dem richtigen Partner, bis zur Beziehung mit mehreren Geliebten gleichzeitig oder der Liebe zu einem gleichgeschlechtlichen Partner. Was in der anschliessenden Diskussion mit den Schülern die meisten Fragen aufwarf. «Kann man echt mit einem Mann verheiratet sein?», wurde der belgische Tänzer Ives Thuwis gefragt, der vor zehn Jahren seinen Partner geheiratet hat.

Auf der Bühne wurde spielend, tanzend und erzählend «Liebe üben» gezeigt. (Foto: Paul Trum­mer)

Liebe üben, ein Leben lang
«Was bedeutet für Sie Liebe?», als Frage an die Schauspieler gerichtet, war eine Reaktion der Schüler auf das Stück. «Liebe ist so viel, Liebe ist ein Motor, gibt Sinn», antwortete Thuwis nach einer längeren Nachdenkpause. Gerade diese Diversität und Vielgestaltigkeit der Liebe, die so schwer zu fassen ist, wurde in dem dokumentarischen Tanztheater ohne Weichspüler thematisiert: Wie ehrlich muss man in der Liebe sein? Soll man den Mut haben, seine Liebe einzugestehen? Wie macht man Schluss, geht mit dem Schmerz um? Weshalb wird geheiratet? Das Brautkleid als symbolträchtiges Requisit, von beiden Darstellern getragen, verlieh in den Tänzen rund um die Liebenswirren mit all ihren Höhen und Tiefen einen nachhaltigen Ausdruck – stets vom passenden musikalischen Rahmen getragen. Gegen Ende übten die beiden Darsteller nochmals mit allen Anwesenden die Liebe: Augen schlies-sen, Hände auf den Bauch, atmen, seinen Herzschlag mit beiden Händen spüren, die Augen aufmachen und den Menschen neben sich in die Augen blicken. Doch ein glückliches Ende wäre zu einfach und würde der Komplexität der Liebe nicht gerecht. Insofern lautete die Botschaft des Stücks nicht Harmonie pur, sondern: Liebe ein Leben lang üben.


Über den TAK-Theaterclub

  • Name: «Die jungen Wilden»
  • Zielgruppe: Kinder von acht bis zwölf Jahren.
  • Die Mitgliedschaft kostet 120 Franken und beinhaltet alle Eintritte, Theaterausflug, Rahmenprogramm und eine Mitgliederkarte, mit der sämtliche Vorstellungen im Kinder- und Jugendtheater gratis besucht werden.
  • Anmeldung: Schriftlich mit Name, Vorname, Adresse, Telefonnummer, E-Mail-Adresse, Geburtsdatum und mit dem Einverständnis der Eltern an: TAK, «Die jungen Wilden», Reberastrasse 10, Postfach 763, 9494 Schaan.
  • Mehr im Internet auf www.tak.li.


(mk)

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