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Von links: René Kaufmann, Leiter Mobilitätsmanagement beim ABI, Ueli Haefeli von Interface Politikstudien Luzern, Urs Wälchli, Geschäftsführer der Inficon AG, Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch, Marco Fausch (Velopoints) und Daniel Gut, Stadtpräsident von Buchs und Präsident der Agglomeration Werdenberg-Liechtenstein. (Foto: Paul J. Trummer)
Politik
Liechtenstein|21.05.2019

Es braucht die Wende in der Mobilität

VADUZ - Betriebliches Mobilitätsmangement (BMM) ist ein Weg, um der Verkehrsproblematik in der Region Herr zu werden. Hier gibt es noch einige Luft nach oben, denn die meisten wählen noch immer das Auto, um von A nach B zu kommen. Dabei waren sich am BMM-Tag alle über die Vorteile des Umstiegs einig.

Von links: René Kaufmann, Leiter Mobilitätsmanagement beim ABI, Ueli Haefeli von Interface Politikstudien Luzern, Urs Wälchli, Geschäftsführer der Inficon AG, Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch, Marco Fausch (Velopoints) und Daniel Gut, Stadtpräsident von Buchs und Präsident der Agglomeration Werdenberg-Liechtenstein. (Foto: Paul J. Trummer)

VADUZ - Betriebliches Mobilitätsmangement (BMM) ist ein Weg, um der Verkehrsproblematik in der Region Herr zu werden. Hier gibt es noch einige Luft nach oben, denn die meisten wählen noch immer das Auto, um von A nach B zu kommen. Dabei waren sich am BMM-Tag alle über die Vorteile des Umstiegs einig.

Mehrere zehntausend Menschen pendeln im Rheintal täglich zur Arbeit, was auch in Liechtenstein zu den bekannten Verkehrsproblemen führt. "Eine Verbesserung ist nicht einfach so absehbar", meinte Regierungschef-Stellvertreter Daniel Risch. Zur Lösung könne aber ein betriebliches Mobilitätsmangement (BMM) beitragen, meinte er anlässlich der zwölften Ausgabe des BMM-Tages in der Hofkellerei: "Gezielt eingesetzt bringt es eine Kostenersparnis und wirkt sich positiv auf die Standortattraktivität aus." Ideen zur Umsetzung gibt es einige: Im "Werkzeugkoffer" des grenzüberschreitenden Pendlermobilitätsprojekts PEMO sind bereits erfolgreiche Massnahmen beschrieben - vom Parkplatzmanagement über Wettbewerben bis hin zu Job-Rädern. "Es braucht einen Mix an Push- und Pullmassnahmen, damit der Mensch umsteigt", so Risch. Zwang sei aber nicht das richtige Mittel.

Automatisiertes Fahren wird Verkehrsproblem nicht lösen

Das sieht Ueli Haefeli von Interface Politikstudien in Luzern anders. Er beriet Liechtenstein bereits mehrmals in Verkehrsfragen und kennt deshalb die Situation im Land. Angesichts der hohen Motorisierung in Liechtenstein und der wachsenden Pendlerströme stünden Verkehrsplaner hier vor einer "schwierigen Ausgangslage". Aber es gibt auch Chancen: Denn anders als in anderen Ländern sei der Durchgangsverkehr in Liechtenstein relativ gering, das Problem also hausgemacht. "Sie haben es in der Hand, wie sich der Verkehr im Land abspielt", erinnert er.

 "Am Anfang wird es weh tun. Aber wenn die Menschen mal einen Monat umgestiegen sind, finden es die meisten schon nicht mehr so schlimm."

Ueli Haefeli, Verkehrsexperte

Auch Haefeli rechnet damit, dass der Verkehr weiter zunehmen wird, was auf den Rheinbrücken und wichtigen Strassen zu weiteren Überlastungen führen werde. Hoffnungen auf disruptive Technologien wie automatisiertes Fahren oder Mobility as a Service setzte er dabei keine. Vielmehr würden diese den Verkehr noch attraktiver machen und damit auch zu Mehrverkehr führen. Verstärkend komme der demografische Wandel hinzu. Die Chancen sieht er hingegen im BMM - in der Schweiz habe Freiwilligkeit allerdings nicht ausgereicht. "Am Anfang wird es weh tun. Aber wenn die Menschen mal einen Monat umgestiegen sind, finden es die meisten schon nicht mehr so schlimm", so Haefeli.

BMM würde dabei jedem nutzen: Die Mitarbeiter seien gesünder, glaubwürdiger gegenüber nachkommenden Generationen und hätten niedrige Mobilitätskosten. Firmen bräuchten weniger Parkplätze und würden von gesünderen Mitarbeitern und einem besseren Firmenimage profitieren. Der Staat wiederum spart sich Kosten, da er beim Ausbau oder Erhalt der Infrastruktur entlastet würde, die Massnahmen aus BMM hätten dagegen ein gutes Kosten-Nutzen-Verhältnis. Ausserdem werde so eine glaubwürdige Umwelt- und Klimapolitik betrieben.

Grenzüberschreitend gegen den Verkehr

Trotzdem kann sich Liechtenstein in Sachen Verkehr nicht isolieren - das Rheintal müsse hier grenzüberschreitend denken, betonte der Buchser Stadtpräsident Daniel Gut und Präsident des Vereins Agglomeration Werdenberg-Liechtenstein. Im Rahmen der Agglomerationsprogramme habe man bereits einiges erreicht, verwies er beispielsweise auf die Langsamverkehrsbrücke zwischen Buchs und Vaduz, die im Juni eröffnet wird. Ausserdem habe man gemeinsam die übergeordneten Verkehrsanbindungen stetig verbessert - etwa zum Flughafen in Zürich. Mit dem geplanten Streckenausbau sei man bald auch schneller mit dem Zug in München. Die Feinerschliessung in der Region sei ebenfalls grundsätzlich gut. Trotzdem würden zu viele noch das Auto als Verkehrsmittel bevorzugen, betriebliches Mobilitätsmangament sei trotz vorhandener Insturmente noch wenig verbreitet.

Gut sieht in der Region vor allem die Bahn als tragendes Verkehrselement. "Weiterentwicklung ist vor allem im öffentlichen Verkehr möglich", so Gut. Eine Schlüsselrolle spiele dabei die S-Bahn "FL-A-CH", welche vor allem von Pendlern genutzt werden und damit die Strassen entlasten soll. Ob und wie es mit "FL-A-CH" weitergeht, beeinflusst auch die Entscheidung, ob es ein viertes Agglomerationsprogramm - und damit Gelder vom Bund - geben wird. In dieser Generation soll neben der S-Bahn auch die Verbesserung der Rheinübergänge angegangen werden. Kommt die S-Bahn allerdings nicht, ist auch ein Einstieg in die vierte Generation des Agglomerationsprogramms fraglich.

Beispiele aus der Praxis

"Es ist unbestritten, dass wir uns in Sachen Mobilität wenden müssen", findet auch Urs Wälchli. Der Geschäftsführer der Inficon in Balzers mit rund 190 Mitarbeitern zeigte auf, dass BMM funktionieren kann. Der Umstieg sei eine emotionale Sache. Dabei sei es wichtig, auch als Führungsperson mit gutem Beispiel voranzugehen. Ausserdem setze die Firma Impulse, um die Mitarbeiter zu motivieren. So mache Inficon beispielsweise beim Wettbewerb "Mit dem Rad zur Arbeit" mit. Ausserdem gebe es eine Lotterie, bei der jeder Mitarbeiter, der den Arbeitsweg nicht mit dem Auto gekommen ist, Preise gewinnen kann. Falls dann doch einmal ein wichtiger Termin ansteht, würden auch Firmenwagen zur Verfügung stehen. Regelmässig veranstalte Inficon ausserdem Radtouren für die Mitarbeiter.

Aufs Rad setzen auch die Initiatoren von Free Velo Points. Marco Fausch erzählte, wie es zur Idee kam und wie sich das Projekt seit dem Sieg beim Ideenkanal 2015 entwickelt hat. Ähnlich wie in grossen Städten wollten die Organisatoren auch in Liechtenstein ein Angebot schaffen, Räder für 24 Stunden gratis auszuleihen und diese an einem von vielen Standorten im Land wieder zurückgeben zu können. Ursprünglich sollte die Hürde möglichst gering sein, was allerdings zahlreiche Probleme mit sich brachte: Die Velos wurden mehr als 24 Stunden genutzt, einfach irgendwo abgestellt und bei Schäden war nicht klar, welcher Nutzer diese verursacht hatte. Vom einfachen Zahlenschloss, dessen Code man per SMS bekommt, ist Free Velo Points mittlerweile zu einem speziellen Entriegelungssystem übergegangen, welches die  Velos namens Adalbert, Ludmilla, Venzel und dergleichen per App entriegelt. Der Nutzen liegt für Fausch auf der Hand: Nun weiss man immer genau, wo und wie viel Räder sich an den 27 Stationen im Land befinden und die Nutzer können die Räder bewerten und Schäden melden.

(df)

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